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Straßen

Alles schläft. Und ich gehe um, schleiche durch die Straßen und gebe acht. Schaue mir eure Träume an, gehe sicher, dass sie gut sind, dass niemand euch quält. Hier und da gebe ich euch etwas lustiges ein, damit ihr ein wenig grinsen könnt im Schlaf, vielleicht etwas murmelt, vielleicht kichert. Die Häuser sind gläsern, sie haben die Substanz für mich aufgegeben. Aber ich sehe nur die ungeheimen Dinge, alles andere bleibt privat, gehört mir schließlich nicht. Ich mache nur eure Träume gut, das ist mein Job. Ein Job für Superhelden. Denn nur wer gut schläft ist zu den anderen gut.
20.9.10 18:47


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Katzisch

Meine Katze kam heute morgen nach hause, nachdem sie die ganze Nacht unterwegs gewesen war und erzählte mir, dass die Mause-Gewerkschaft sie verklagt habe, weil sie bei nächtlicher Jagd-Aktivität die Arbeitszeiten der Mäuse nicht berücksichtige, insbesondere das Recht auf eine angemessene Pause. Ausserdem würde sie die Mäuse auf dem Weg zu deren Mauselöchern belästigen, nach deren Feierabend also, und das würde einen so schweren Verstoß auch gegen die guten Sitten bedeuten, dass beschlossen worden wäre, diesem Treiben nun entgegenzuwirken und, besser noch, dem ein Ende zu setzen.
Meine Katze war ziemlich verärgert, zumal sie immer nach Brauch und Sitte aller Katzen handelt und sich hierbei bis jetzt keinerlei Schuld bewusst war. Ich schlug ihr vor, eine Katzengewerkschaft zu gründen. Niemals zuvor hat sie mich derart pikiert angeschaut. Sie kann die Katzen der Nachbarschaft nicht ausstehen und lässt sich nicht einmal dazu herab, diese zu vermöbeln. Nun ist das Mause jagen ihr größtes Vergnügen, sie bringt mir auch gerne hin und wieder eine mausetote Maus mit und ich muss dann so tun, als fände ich das mehr als erstklassig und ihr erzählen, dass nichts mich mit mehr Stolz und Freude erfüllt, als ein solches Geschenk zu erhalten, was nicht einmal so sehr gelogen ist. Sie hat mich sogar einmal gefragt, ob ich sie mal begleiten möchte, immerhin sei das ihr Beruf und ihre Berufung, ich könne mir ruhig einmal anschauen, was sie eigentlich die ganze Nacht so macht, immerhin sei SIE ja diejenige, die die Mäuse nach hause bringt. Sie ist auch hervorragend im Schuldgefühle produzieren.
Was soll man da jetzt tun, fragte ich sie, vielleicht müssen wir auch gar nichts unternehmen, überlegte ich, immerhin wohnen wir hier nur noch ein paar Wochen, was haben die schon in der Hand, fragte ich, kann dir doch eigentlich egal sein, viel wichtiger ist, wie die Berliner Mäuse organisiert sind und ob du dort ähnliches zu befürchten hättest. Sagte ich. Darauf ging sie überhaupt nicht ein, drehte mir ihr Heck zu, murmelte, ich hätte ja nun gar keine Ahnung und es ginge hier ums Prinzip und mich auch nicht so richtig was an, rollte sich auf meinem Schreibtisch auf meinen allerwichtigsten Unterlagen zusammen und fing sehr demonstrativ an zu schnarchen.
Jetzt bin ich da wirklich überfragt und sehe gar keine Möglichkeit ihr zu helfen, was weiß ich dummes Geschöpf schon über solche Angelegenheiten. Ich frage mich, ob ich ihr da einen Anwalt besorgen muss, vielleicht eine andere Spezies, weil Katzen sich da eher gegenseitig reinreißen würden...
Jetzt wacht sie gerade wieder auf, gähnt, schaut mich an, rammt mir ihren Kopf ins Gesicht, schnurrt und sagt mir, dass sie mich liebt... Zieht euch warm an, ihr Mäuse der Nachbarschaft, ich komm euch gleich mal bei!
19.9.10 09:59


Wohnungssuche

Wieviele Türknäufe gibt es in meiner neuen Stadt? Wieviele Handschuhe, wieviele Kronkorken, wieviele Blumenvasen? Wer sammelt Schneekugeln, wer geht nach der Arbeit zu Fuß nach hause, wer macht vorher lieber noch Sport? Haben alle täglich etwas zu lachen? Wie oft wird geweint und um was? Fährt die U-Bahn in den Tunneln verrückte Schleifen und keiner merkt es? Wir haben es gemerkt, weil wir auf Wohnungssuche waren und daher U-Bahn fuhren, Linie U8 vom Hermannsplatz zum Alexanderplatz. Plötzlich gabe es einen Stromausfall und weil unsere Bahn gerade einen Looping fuhr, fielen wir mitsamt den Waggons nach unten. Glück hatten wir, dass es ein sehr kleiner Looping war, daher fielen wir nicht tief und keiner brach sich etwas. Alle Passagiere krabbelten schnell aus den Waggons und gemeinsam schafften wir es, die Bahn umzudrehen. Wir atmeten alle schon auf und lachten gerade vor Erleichterung noch ein wenig bevor wir die Bahn wieder auf die Schienen stellen wollten, als der Boden unter uns nachgab und wir weiter abwärts fielen. Wir rieselten mit Erde und Bahn ein Stockwerk tiefer und fielen in einen unterirdischen See. Wir hatten wieder Glück, dass die Waggons nicht untergingen, sondern schwammen wie ein paar Badeentchen und das Ufer war auch gar nicht weit. Wir kletterten auf die Wagondächer und indem wir unsere Koffer und Taschen als Paddel benutzten, erreichten wir das Ufer in sehr kurzer Zeit. Freundlicherweise erwartete uns dort schon ein Schäfer, der eine Herde schwarzer Schafe hütete. Die waren ganz besonders stark und an die Waggons gebunden erwiesen sie sich als vorzügliche Zugtiere. So fuhren wir denn durch einen Tunnel, kamen an einigen sehr merkwürdigen Geschöpfen vorbei, sahen in einer Verschnaufspause einem Erdhockeyspiel zu und durchquerten zum Schluß Alexanders Wohnzimmer, in dem übrigens ein sehr hübsches Sofa stand. Danach hielten wir an, spannten die schwarzen Schafe ab und stapelten die Waggons in einen Lastenaufzug, der gerade groß genug hierfür war. Die Fahrt nach oben verging im Handumdrehen, die Waggons stellten sich wie von selbst auf die Gleise der Haltestelle Alexanderplatz. Niemand bemerkte irgendetwas ungewöhnliches. Wir verabschiedeten uns per Handschlag von unseren Mitreisenden und machten uns auf den Weg, um unsere neue Wohnnung in Augenschein zu nehmen. Auf der Fahrt dorthin geschah nichts weiter Bemerkenswertes. Unsere Wohnung ist groß und hell und schön und in der Nähe gibt es zwei U-Bahn-Haltestellen. U8.
17.9.10 08:50


Stadt

Es ist gerade noch so leise draußen. Die ersten Schulkinder sind schon los und auch die ersten Lastwagen. Diese Stadt ist morgens immer so verschlafen. Wie wirres Haar, Kissenabdruck im Gesicht, ein wenig Schlafdreck im Auge. Wie ein gewecktes Kind kommt sie mir manchmal vor meine alte Stadt. Das wird die neue Stadt nicht sein. Ich stelle sie mir mehr vor wie eine Art Übernächtigungsmaschine. Immer wird irgendetwas am mir rütteln, damit ich nicht einschlafe. Ich werde nicht zur Ruhe kommen, nicht vernünftig einatmen, wie auch, es wird schrecklich stinken. Ein Moloch, ein mich verschlingendes Monster, ein Sumpf. Mein kleines altes Städtchen kommt mir vor wie eine Wiese voller Blümchen. Was sie nicht ist, sie schläft nur noch. Dann geht es auch hier wieder los. Nur nicht auf so großer Fläche. Und ein wenig unschuldiger vielleicht. Heute werde ich losfahren in die neue Stadt. Ich habe meinen Superheldenanzug eingepackt und werde mich austesten vor Ort. Vielleicht schonmal ein paar Verbrecher fangen und der Polizei übergeben. Die Handtaschen alter Damen aus Räuberfingern winden, Kinder vor heranbrausenden Autos retten. Den einen oder anderen Vogel füttern. Und dann bald ganz hinziehen. Und mich niemals fürchten.
15.9.10 14:43


Kisten-Welt

In einer der Umzugskisten ist etwas. Wenn ich ganz leise bin und auch meinen Herzschlag ignoriere dann höre ich etwas rascheln. Ich dachte zuerst an eine Maus, aber das Rascheln ist kein Mauserascheln. Es ist zarter, unbestimmter. Als tappe etwas umher, als wüßte das tappende nicht, wohin es tappen soll, tapptapp...taptaptap, ein sehr unbestimmter raschelnder Rhythmus. Und ganz manchmal, wenn ich den Atem lange genug anhlate, kichert etwas sehr sehr leise. Und sehr sehr fröhlich. Ich habe mich schon neben die Kiste gelegt mit einer Decke, habe mein Ohr an den Karton gehalten, habe gelauscht. Wie gerne hätte ich hineingeschaut, was hätte ich wohl gesehen? Psstpsst, vielleicht etwas unsichtbares, seid einmal leise, die Kiste wird aufgemacht, wir werden entdeckt, wir müssen verschwinden. Neinnein, dafür ist mir das rascheln zu zart und das leise Kichern zu fröhlich. Vielleicht wird getanzt in der Kiste. Beschwipst vielleicht von Kisten-Welt-Wein. Ein Kisten-Welt-Päärchen. Teenager vielleicht in ihrer Kisten-Welt, vor den Großen versteckt in meiner Umzugskiste. Diese möchte ich erst recht nicht stören bei ihrem Stelldichein. Ich schleiche mich von meiner Umzugskiste weg. Wenn der Umzugstag kommt werde ich heineinschauen. Oder vielleicht nicht, vielleicht stelle ich sie in den neuen Keller ohne sie vorher zu öffnen. Schlimmstenfalls habe ich dann eine leere Kiste im neuen Keller. Bestenfalls einem Kistenwelt-Päärchen zur Flucht verholfen. Das ist etwas, das einen fröhlich stimmen kann.
14.9.10 11:27


Schrank

Mein Arbeitszimmerschrank hat wahrscheinlich eine komplizierte Persönlichkeit entwickelt. Wenn ich was rausholen möchte sieht es jedesmal anders in ihm aus. Mal steht das Bügeleisen im untersten Fach, mal in der Mitte des drittobersten Faches. Manchmal finde ich meinen Werkzeugkasten nicht, weil er ganz hinten auf dem obersten Brett steht, manchmal habe ich den Eindruck, die Kombizange würde mir herausgereicht. Fast immer muss ich suchen. Heute war es aufregend, weil ich den Schrank ausräumen wollte. Ich wollte den Inhalt durchsehen und entscheiden, was mit mir umzieht, was ich verschenken, und was ich wegschmeißen kann. Ich habe festgestellt, dass mein Schrank Lieblingssachen hat. Es machte mir Mühe, die Nähmaschine herauszuziehen, ich musste versprechen sie mitzunehmen dann konnte ich sie herausnehmen. Für die analoge Spiegelreflexkamera musste ich ein schönes neues Zuhause versprechen. Mein Ordner mit den Telefonrechnungen wurde mir an den Kopf gespuckt. Den Karton mit dem Laminiergerät hat er gar nicht mehr rausgerückt. Was soll ich damit anfangen? Ich brauche es nicht. scheinbar habe ich aber keine andere Wahl. Mein Schrank bestimmt, was mitkommt. Ob der Schrank mitkommt muss ich mir jedenfalls noch überlegen.
13.9.10 13:59


Hundflug

Ich war gestern recht lange unterwegs. Eigentlich fliege ich nicht so gern, weil es da oben doch relativ kalt ist und meine Start-Technik noch sehr zu wünschen übrig lässt. Andererseits ist es doch der einfachste, schnellste und auch sicherste Weg, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Allerdings war dem gestern nicht ganz so.
Ich hatte ganz vergessen, dass der 11. September war und daher die allgemeine Aufmerksamkeit doch sehr auf den Verkehr im Luftraum gerichtet ist. Ich musste dringend zu einer Freundin, die zur Zeit an einer unbekannten Krankheit leidet, die sie dazu bringt nach jedem Satz die Augen zu verdrehen und "is ja ätzend" zu sagen. Ich wollte sie besuchen und mal schauen, ob da nicht irgendetwas zu machen ist.
Ich nahm also Anlauf, wobei ich mich langsam nach vorne kippte, um in die Waagerechte zu gelangen und in die Höhe zu gleiten. Meißtens schaffe ich das erst beim vierten, fünften Versuch und hoffe dabei, dass niemand mich beobachtet. Gestern schaffte ich es beim zweiten Mal. Ich glitt also in die Höhe und wäre dabei fast mit dem Hund der Nachbarn zusammengerasselt, der sich wieder einmal heimlich aufwärts davongeschlichen hatte. Er hatte Angst, ich würde ihn verpfeifen, daher heftete er sich an meine Fersen und so flogen wir gemeinsam, er an meiner Ferse. Ich hätte mir denken können, dass wir auffallen würden, wir sahen aus wie eine ungestalte Luftraupe, daher fing man uns ab, zwei Angehörige der Luftfahrtbehörde schossen vor uns auf wie Raketen. Vor Schreck lies der Nachbarshund meine Ferse los und vergaß dabei, in der Luft zu bleiben. Er fiel wie ein Felsen und weil ich ihn nicht aufprallen lassen wollte, schoß ich hinterher um ihn aufzufangen. Das machte mich noch verdächtiger und nachdem ich den Hund auf der Erde abgesetzt hatte, verhafteten mich die Angehörigen der Luftfahrtbehörde und ich musste sie begleiten. Wir fuhren mit dem Auto zum Poilzeipräsidium. Dort musste ich Rede und Antwort stehen, beweisen, dass es die Krankheit meiner Freundin wirklich gibt, wobei mir auch ein Heilmittel einfiel, und erklären, wieso ich überhaupt schon flog, obwohl meine Start-Künste noch so unterragend schlecht sind. Das war mir einigermaßen peinlich, und zuerst wollten sie meinen Flugschein einziehen, aber ich versprach, vor dem nächsten Flug meine Starts zu üben, dann ließen sie mich gehen.
Das ganze hatte ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen, daher hatte meine Freundin, als ich endlich bei ihr eingetroffen war, schon sehr viele Menschen zur Weißglut getrieben und ich traf sie in ihrer Wohnung sehr verzweifelt vor einem Haufen zerstörter Einrichtungsgegenstände an. Ich heilte sie schnell und begann mit den Aufräumarbeiten. Sie telefonierte mit ihren Freunden, um sich zu entschuldigen.
Jetzt fällt es mir nochmal so schwer wegzuziehen. Die Stadt hat natürlich noch einige weitere Superhelden, die auch besser fliegen können als ich, dennoch bin ich mir nicht sicher, ob die auch Krankheiten heilen können. Ich hoffe, Der Luftraum zwischen der neuen und der alten Stadt ist nicht so kalt.
12.9.10 13:53


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